Sebastian Gollnow/dpa Etwa 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche sind auf Leistungen nach SGB II und Spenden angewiesen (Essensausgabe der Berliner Tafel)Für die CDU/CSU in Bundesregierung und Parlament ist die »Bürgergeldreform« eines der ganz großen Projekte zur Schleifung sozialer Leistungen. Am Montag findet dazu eine Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages statt. Statt den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern, erschwerten die Vorgaben der neuen Grundsicherung ihn. Dabei wollten »entgegengesetzt zum öffentlichen Zerrbild« die 1,8 Millionen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten nach Sozialgesetzbuch (SGB) II aus dem Bürgergeldbezug herauskommen. Mit Sanktionen gegen Grundsicherungsbezieher werde ein Klima der existentiellen Angst aufgebaut, das die Unternehmen als Waffe gegen die Beschäftigten einsetzen könnten, so Wasilewski in seiner schriftlichen Stellungnahme zum Gesetzentwurf.

February 22, 2026 18:31 UTC

Club Voltaire Mikis Theodorakis spielt am Klavier und unterhält die Gäste im Club Voltaire (Frankfurt am Main, 1970er Jahre)Der Club Voltaire, ein Treffpunkt der Linken mitten in der Finanzmetropole Frankfurt am Main, soll schließen. Die Eigentümer wollen das Haus verkaufen. Der Club Voltaire war seit 64 Jahren Mieter eines 160 Jahre alten Hauses im Privatbesitz. Nun entschieden die Eigentümer in der dritten Generation, das Mietverhältnis zum Jahresende 2026 zu beenden und das Haus zu verkaufen. Ob »Rock gegen rechts« oder der Verein »Städtefreundschaft Frankfurt–Kobanê«, der sich im Club gründete: Man trifft sich und diskutiert hier.

February 22, 2026 18:31 UTC

Die Linke in Bremen hat einen neuen Kovorsitzenden. Ein Parteitag in der Hansestadt bestätigte Anna Fischer am Sonnabend im Amt und wählte Max Petermann zum neuen Kolandeschef, wie die Partei mitteilte. Fischer erhielt demnach 78 Prozent der Delegiertenstimmen, für Petermann stimmten 77 Prozent. In Bremen koaliert die Linkspartei seit 2019 mit der SPD und Bündnis 90/Die Grünen unter Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Bei der Wahl 2023 wurde sie mit 11,6 Prozent knapp hinter den Grünen viertstärkste Kraft.

February 22, 2026 18:31 UTC

Bei neuen Angriffen der pakistanischen Luftwaffe auf Ziele in Afghanistan sind nach Angaben aus Kabul am Sonntag 18 Menschen getötet worden. Während afghanische Medien ausschließlich von zivilen Todesopfern sprachen, sollen die Bombardements laut dem Informationsministerium in Islamabad mehreren Lagern der pakistanischen Taliban sowie der Dschihadistenmiliz »Islamischer Staat« (IS) gegolten haben, die sich unmittelbar hinter der Grenze befinden. Es handele sich um Vergeltung für jüngste Suizidattentate, die von dort aus durchgeführt worden seien. Die Angaben ließen sich nicht überprüfen.

February 22, 2026 18:31 UTC

Nach tödlichen israelischen Luftangriffen auf die Hisbollah im Libanon hat ein Führungsmitglied der Organisation am Sonntag zum »Widerstand« aufgerufen. Insgesamt seien bei den Bombardements am Freitag zwölf Menschen getötet und 24 verletzt worden. Unter ihnen hätten sich acht Mitglieder der Hisbollah befunden, wie AFP unter Berufung auf einen anonymen Sprecher der Organisation mitteilte. In der Stadt Baalbek wurden am Sonnabend ein Hisbollah-Kommandeur und einer der Kämpfer im Beisein von Hunderten Menschen beigesetzt. Libanons Präsident Joseph Aoun verurteilte das israelische Vorgehen am selben Tag als »eklatante Aggression«, die eine seit 2024 geltende Waffenruhe gefährde.

February 22, 2026 18:31 UTC





Sven Thielmann/imago Ayça Miraç in der Essener PhilharmonieHier ist eine neue Stimme, die aufhorchen lässt. Faszinierend in ihren verschliffenen Melismen und fremdartig schon der Sprache wegen, die sie oft anschlägt: Ayça Miraç singt viele ihrer Lieder in Lasisch – einem Idiom, das sie von ihrer Mutter gelernt hat, die aus dem Grenzgebiet zwischen dem Nordosten der Türkei und Georgien stammt. Unsereins versteht also erst mal kein Wort, bekommt in den englischen Übersetzungen der Songtexte jedoch fast alle synästhetischen Mutmaßungen bestätigt: Es geht, in einfacher lyrischer Form und zumeist in gemächlichem Tempo vorgetragen, um Sehnsucht und Schicksal, um Liebe und Verlust. Und in den, väterlicherseits geprägt, auf türkisch gesungenen Stücken um das zunehmend bedrohte Lebensgefühl des alten Istanbul, wo die Familie regelmäßig übersommerte. Und vielleicht lohnte sich sogar der eine oder andere Flirt mit Laz-Pop-Einflüssen, die seit Ende der 90er Jahre in den türkischen Metropolen herumgeistern.

February 22, 2026 18:31 UTC

IMAGO/MediaPunch Einen Tag vor Beginn des US-Angriffs auf Irak rief Jackson zu einer Friedensdemo auf (Washington, D. C., 15.1.1991)Reverend Jesse Jackson ist tot. Jackson war ein Aktivist, der den Kampf der Afroamerikaner in den USA konsequent mit den antikolonialen Befreiungsbewegungen der Völker des globalen Südens verband. Sie verband den Kampf gegen rassistische Unterdrückung mit der sozialen Frage: Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne, schlechte Gesundheitsversorgung und mangelhafte Gewerkschaftsrechte. Die Parole »Keep hope alive« war für Jesse Jackson keine Phrase, sondern politisches Programm, das auf Mobilisierung setzte. imago/UPI Photo Jesse Jackson besuchte auch das sozialistische Kuba und traf dort Fidel Castro (Havanna, 25.6.1984)Doch sein Engagement reichte weit über die USA hinaus.

February 22, 2026 18:31 UTC

Balken grün? Außenstehende lassen dagegen die Phantasie spielen, um sich irgendwie verständlich zu machen, was im Global­casino gespielt wird. »Was, wenn Gefühle die Kurse treiben?« wirft die am Sonntag ausgestrahlte Folge des Arte-Erklärformats »42 – Die Antwort auf fast alles« auf. Denn: »Jeder will Geld verdienen«, weiß eine New Yorker »Analystin«. Dieser Reflex, »den Markt« zu vermenschlichen, ist allzu menschlich, erklärt aber nicht das System des jederzeit überall hin verschiebbaren Buchgeldvermögens innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde.

February 22, 2026 18:31 UTC

Der Titel des gerade erschienenen Buchs von Jens van Scherpenberg scheint in die gleiche Richtung zu zielen. »Großmachtsucht« heißt seine im Westend-Verlag erschienene Studie, die die Etappen der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik bis heute untersucht. Der Blick ins Buch und seine 287 Seiten zeigt allerdings, dass der Autor auf das genaue Gegenteil hinauswill. Die staatliche Souveränität einer ökonomischen Großmacht Deutschland braucht Durchsetzungsfähigkeit als »führende militärische Macht Europas« – so soll das deutsche Dilemma aufgelöst werden. Bei allen Beschwörungen von Gemeinsamkeit, die auf dem realen Kern beruhen, dass weder Frankreich noch Deutschland alleine angesichts der Potenzen von USA, der Sowjetunion bzw.

February 22, 2026 18:31 UTC

Agencia Prensa-Independiente/IMAGO US-Lazarettschiff (5.7.2025)Verwundert reiben sich die Redaktionsstuben weltweit die Augen: Ein riesiges Lazarettschiff ist nach Grönland unterwegs. Der US-Präsident schrieb auf seiner Plattform »Truth Social«, das Boot solle bei der Versorgung von Kranken helfen, denn die seien auf der Insel unterversorgt. Wie wir alle wissen, verweisen die ausgebliebenen »Einzelheiten« des Herrn Trump immer auf den Kern der Sache. Auch möglich: Alle Pinguine des Südpols emigrieren derzeit nach Norden und werden dort von Trump gestoppt und »remigriert«. Gut, vielleicht ist die Bootsgeschichte auch nur ein Testballon?

February 22, 2026 18:31 UTC

»Die Dreharbeiten waren ein Abenteuer für sich«, offenbarte »Lord of the Flies«-Regisseur Marc Munden beim Interview während der Europapremiere im Rahmen der Berlinale-Special-Series-Sektion. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs strandet eine Gruppe von Schülern nach einem Flugzeugabsturz auf einer tropischen Pazifikinsel. Und dies subversiv in Gestalt von Kindern, mit denen im allgemeinen Begriffe wie »Unschuld« und »Reinheit« assoziiert werden. Je mehr die Jungen den Bezug zu Zivilisation und Gesetz verlieren, desto mehr regiert Irrationalismus und das Recht des Stärkeren. Sie beten Beelzebub an, den alttestamentarischen Herren der Fliegen, Ba’al Zevuv, der – hier personifiziert durch einen aufgespießten, von Insekten umflogenen Schweineschädel – zum Kriegsgott mutiert.

February 22, 2026 18:31 UTC

Die nach Unabhängigkeit von Somalia und internationaler Anerkennung strebende Region Somaliland ist nach Angaben von Präsidialamtsminister Khadar Hussein Abdi bereit, den USA »exklusiv« Zugriff auf ihre Bodenschätze und Militärstützpunkte zu gewähren. Als erstes Land der Welt hatte Israel Somaliland im Dezember anerkannt und international Kritik ausgelöst. Die autonome Region hatte sich 1991 für unabhängig erklärt.

February 22, 2026 18:31 UTC

Positiver Moment war allerdings das »Rheinmetall entwaffnen«-Camp in Köln: Das war ein gelungener Schulterschluss zwischen der traditionellen Friedensbewegung und neueren antimilitaristischen Bewegungen. Das Programm enthält die Ankündigung exklusiver Rechercheergebnisse zur Rolle von Berlin-Mitte als »Brennpunkt der Militarisierung«. Hier sitzen Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann und General Dynamics quasi Tür an Tür. Gewerkschaft ist nicht gleich Gewerkschaft bei der Frage »Aufrüstung oder Konversion?«. In vielen Industriezweigen haben wir das Problem, dass enorm viele Stellen vernichtet werden – gleichzeitig entstehen durch die Aufrüstung neue Jobs.

February 22, 2026 18:31 UTC

Die bloße Existenz einer solchen Zeitung sei »nicht nur erstaunlich, sondern prinzipiell überfällig«, sieht auch der Spiegel. Das Kernthema ist: Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen«, meint Ralf Heimann in seiner Medienkolumne »Das Altpapier« beim MDR. »Insgesamt liegt mit der OAZ eine vollwertige Wochenzeitung vor«, urteilt der emeritierte Professor für Journalistik Volker Lilienthal für das Portal T-Online. Denn: »Wie könnte eine Zeitung je gewalttätig sein?« Diese Frage sollte der Experte einmal der Bundesregierung und ihrem Inlandsgeheimdienst stellen. Wird doch die Listung der jungen Welt im Verfassungsschutzbericht auch damit begründet, diese Zeitung bekenne sich »nicht ausdrücklich zur Gewaltfreiheit«.

February 22, 2026 18:31 UTC

IMAGO/APAimages Dank Krieg weiter an der Staatsspitze: Präsidentenehepaar gedenkt des Maidan-Aufstands (Kiew, 20.2.2026)Am Freitag meldete das Wall Street Journal, dass der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij bereit sei, »noch drei Jahre zu kämpfen«. Womöglich in der Hoffnung, Donald Trump politisch zu überleben und unter seinem Nachfolger wieder eine dem Ukraine-Krieg gewogenere US-Regierung vorzufinden. Und die offen eingestandene Perspektive, noch weitere drei Jahre Krieg auszuhalten, könnte die ohnehin in der ukrainischen Gesellschaft heranreifende Kriegsmüdigkeit genauso gut verstärken. Denn solange der Krieg andauert, sind Neuwahlen ausgeschlossen. Die Selenskij zugeschriebenen Überlegungen, den Krieg noch bis zur nächsten US-Präsidentenwahl fortzusetzen, sind damit auch eine persönliche Überlebensstrategie des ukrainischen Präsidenten.

February 22, 2026 18:30 UTC