Insofern ackert Birte Försters „1919“ auf einem bereits gut bestellten Feld. Die Neuerfindung Europas als friedliebende und demokratisch geprägte Völkergemeinschaft hat seinerzeit bekanntlich nicht nachhaltig geklappt, was Birte Förster, die Neuere Geschichte in Bremen lehrt und Mitarbeiterin dieser Zeitung ist, auch nicht bestreitet. Dennoch stellt sie im Vorwort fest, wäre es verfehlt, 1919 nur „als ein Jahr des Chaos und der Gewalt“ zu betrachten. Nur hat es Birte Förster leider versäumt, ihrem Jahrespanorama den letzten sprachlichen Schliff zu geben. Das Schlusskapitel, in dem Birte Förster die Situation von 1919 mit der heutigen Lage vergleicht („wieder werden lange in Europa lebende Familien zu Minderheiten gemacht“), wirkt deshalb schwächer und beliebiger, als es ihre Darstellung verdient hätte.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung February 17, 2019 21:33 UTC