Häuser und Türme detailgenau, stolze Reiter, grasendes Vieh: Die Pürschgerichtskarte von David Rötlin aus dem Jahr 1564 zeigt Rottweil und die Region wie ein Wimmelbild. Der Maler David Rötlin nutzte die Aufgabe jedoch in grandioser Weise: Einerseits dokumentierte er gewissenhaft und akribisch, wie sich ihm Rottweil damals darstellte. Vom Kapellenturm aus, der das Zentrum der Karte bildet, hielt er das Straßennetz, bauliche Strukturen sowie die Festungsanlagen mit sicherer Hand fest. Und zwar so genau, dass seine Karte bis heute als Quelle herangezogen wird, wenn Daten zur Kernstadt aus dem 16. Und jenseits der Details sollte man auch ihre Grundidee nicht übersehen: Sie zeigt Rottweil als Zentrum eines Bezugssystems, ja gewissermaßen als Mittelpunkt einer Welt – eine Sichtweise, Jahrhundertelang ihre Berechtigung hatte.
Source: Die Welt December 29, 2021 00:20 UTC