Ich bin da nicht so optimistisch und weil dem Zukunftswissen traditionell eine angemessene Radikalität eignet, frage ich nicht nach dem Gegenstand, sondern nach den Bedingungen der kommenden Liebe. Zwei Bewegungen liegen in Heideggers Satz: Der Wille zum Sein des Geliebten und die Wandlung des Geliebten in der Liebe. Wer aber noch ernstlich der Auffassung ist, Selbstsorge sei heute eine subversive Technik, nicht Beistand, sondern Gegenmittel der kommenden Gefahr – dem ist auch durch Heidegger nicht zu helfen. Kann sich das Sein-lassen und Freilassen in der kommenden Liebe ereignen? Ich möchte ihm, allem, ein schwaches Denken entgegenstellen, einen zärtlichen Diminutiv: lagrimitas.
Source: Die Welt September 28, 2018 11:48 UTC