Runde oder halbrunde Jahrestage sind es, die das öffentliche Gedenken an wichtige historische Ereignisse in Wissenschaft wie Medien strukturieren und akzentuieren. Mit Blick auf die Genese des Nahostkonflikts war 2017 ein an Jubiläen reiches Jahr: 120 Jahre Basler Zionistenkongress (auf dem die Schaffung einer jüdischen »öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina« zum Ziel erklärt wurde), 100 Jahre Balfour-Deklaration (mit der die britische Regierung versicherte, sich für die Schaffung eines Ansiedlungsgebiets für Juden in Palästina einzusetzen), 70 Jahre UN-Teilungsplan (der das britische Mandat für Palästina beendete und die Schaffung eines Staates für Juden und eines für Araber auf diesem Territorium vorsah), 50 Jahre Sechstagekrieg (der dritten, besonders folgenreichen bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn) und 30 Jahre erste Intifada (militante Widerstandsaktionen der Palästinenser gegen die israelische Besatzung). Ein ähnliches Missverhältnis dürfte mit Blick auf die »Nakba« (Katastrophe), die Vertreibung der Palästinenser im Frühjahr 1948, zu erwarten sein – anders als beim bevorstehenden 70. So zeigt der Anthropologe und Friedensaktivist Jeff Halper, wie die israelische Regierung und israelische Privatunternehmen unter den Bedingungen der völkerrechtswidrigen Besatzung gewonnene Erfahrungen nutzen, um die Entwicklung von Militär- und Sicherheitstechnologie voranzutreiben. Die Kooperation mit der Bundesrepublik ist auf diesem Gebiet intensiv, neben Waffengeschäften besteht ein reger Austausch, mit Blick auf verdeckte Polizeiarbeit wie zu Techniken asymmetrischer Kriegführung.
Source: Junge Welt January 21, 2018 18:59 UTC