trueVermutlich kennen japanische Touristen nach dem obligatorischen Münchenbesuch Erasmus Grasser besser als die meisten Deutschen. Obwohl einer der talentiertesten und originellsten Holzschnitzer des fünfzehnten Jahrhunderts, ist er heute den wenigsten ein Begriff. Herr der MoriskenDie wechselhafte Wertschätzung der Moriskentänzer ist ein Musterbeispiel für die beständigen gesellschaftspolitischen Umdeutungen von Kunst. Außer dass sie, teils Turbane und andere fremdländische Kleidung tragend oder afrikanischer Herkunft, ein Element des Exotismus im Münchner Rathaus bildeten, weiß man über die Hintergründe des Auftrags und ihres Aussehens herzlich wenig. Genau diese Exoten aber werden im zwanzigsten Jahrhundert zu Ikonen deutscher Skulptur stilisiert, die die bis dato unbekannte „Wundergabe deutschen Humors“ repräsentierten, wie der Münchner Stadtmuseumsdirektor Philipp Maria Halm 1928 schrieb.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung April 21, 2018 18:33 UTC