Wienerisch wollte Kirill Petrenko das Jahresendprogramm seiner Berliner Philharmoniker gestalten. Intendantin Andrea Zietzschmann telefonierte herum – und fand im 32-jährigen Lahav Shani einen furchtlosen Einspringer für den Chefdirigenten. Warum sie das beste Orchester der Welt sind, zeigen die Philharmoniker nach der Pause, wenn sie, fast ungeprobt, zwei komplexe sinfonische Schaustücke absolut CD-pressreif spielen. Mehr zum Thema Berliner Philharmoniker Im Klassik-MuseumUnd der Dirigent setzt noch eins drauf, angstfrei und mit ruhiger Hand, wenn er Ravels „La Valse“ zum brillanten Rausschmeißer macht. Doch Lahav Shani entscheidet sich selbstbewusst für die sinnliche Lesart, will den Taumel der wirbelnden Paare erlebbar machen, das süße Schwindelgefühl, die höchste Lust im Kontrollverlust, zumindest so weit die bürgerliche Vorstellungskraft reicht.
Source: Der Tagesspiegel December 31, 2021 03:47 UTC