Eine Telefonumfrage sagt bereits neues Unheil für die CSU voraus – und befeuert Debatten, die noch vor kurzem undenkbar waren. Seit der Bundestagswahl, die der CSU mit 38,8 Prozent der Stimmen das zweitschlechteste Ergebnis ihrer Geschichte beschert hat, folgt Seehofers Sturz der unerbittlichen Dramaturgie, die er selbst vorgezeichnet hat. Bei fünf weiteren Parteien, die danach in den Landtag kämen – die SPD mit 15, die AfD mit 13, die Grünen mit elf, die FDP mit sieben, die Freien Wähler mit sechs Prozent – wäre die Mehrheit der Sitze im Maximilianeum verloren. Die CSU müsste sich in München einen Koalitionspartner suchen; der Nimbus der Unbesiegbarkeit, der schon bei der Landtagswahl 2008 erschüttert wurde, wäre endgültig dahin. Aber er hätte immerhin eine Teilung seiner Erbes erreicht, auch wenn es schmaler auszufallen droht als es die CSU gewohnt ist.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung October 19, 2017 15:35 UTC