Charles Schumann, so geht die Legende, arbeitete im Süden Frankreichs, als er erkannte, dass er in München eine „American Bar“ eröffnen musste. In Dietls „Ganz normalem Wahnsinn“ sieht man ihn noch, wie er in „Harry’s New York Bar“ die Drinks mixt. Charles Schumann, der früher sehr wenig sprach und heute, da er viel gesehen hat und davon berichten möchte, ein bisschen mehr; der aber Schwätzer und intellektuelle Angeber nicht ausstehen kann – Charles Schumann hat das alles so gewollt. Charles Schumann war schon damals viel zu modern für solche Retro-Inszenierungen – und als er anfing, im Nebenberuf als Model zu arbeiten, war er um die sechzig, hatte graue Haare, eine Boxernase und viele Falten. Charles Schumann grinste, als ob er damit sagen wollte, dass es für einen wie ihn nicht ums Separieren gehe, sondern ums Gegenteil: Dazu betreibt er ja seine Bar.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung September 15, 2021 07:18 UTC