Als Carl Schmitt seinen berühmten Satz 1922 niederschrieb, stand ihm noch das monarchische Prinzip vor Augen, also eine mächtige Einzelperson, die im Ernstfall ein Machtvakuum für eigene Zwecke ausnutzt. Seitdem hat das Grundgesetz politische Souveränität föderal und international so ausdifferenziert, dass zumindest in Deutschland ein Missbrauch durch Machtkonzentration auch in der gegenwärtigen Notstandssituation nur schwer vorstellbar ist. Doch gerade dadurch, durch die Entkoppelung von Souveränität und Person, wird kenntlich, was die Stunde geschlagen hat: Das, was wir als Zeitalter der Freiheit empfunden haben, ist in Wirklichkeit das Zeitalter des Staates.
Source: Die Welt April 18, 2020 08:37 UTC