IMAGO/Michael Westermann Tischlektüre: Jürgen HabermasDie eiskalte Herrin hieß Claudia S., kam aus Bernau und klang auch so. Wie viele Frauen mit viel Fleisch und viel Kraft beschäftigte sie sich hauptsächlich mit zarten Mädchen, richtete aber auch Männer ab. – »Nee, nich’ so’n Quatsch, wat richtich dämlichet!« Kein Mensch schätzt das philosophische Hauptwerk Karl Mays, es ist zu pazifistisch. »Mhhm«, musste selbst ich grübeln, »richtich dämlich«, schwierig, »dann nimm ›Theorie des kommunikativen Handelns‹ von Habermas, dümmer geht’s nicht.« Sie bedankte sich. Sie hatte an einem Nachmittag die ganze Bundesrepublik Deutschland in ihrer Küche entborgen und für Habermas und Heidegger einen ewigen Gebrauchswert festgelegt.
Source: Junge Welt March 18, 2026 18:31 UTC