Die Motivationsansprache, die die zwölfjährige Ola in dem Dokumentarfilm „Kommunion“ ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder Nikodem hält, changiert zwischen der Zuneigung einer älteren Schwester und der erzieherischen Autorität einer frühreifen Erwachsenen. Das Mädchen hat beide Rollen angenommen, es trägt die Verantwortung für die ganze Familie auf seinen schmalen Schultern. Ohne die spezifische familiäre Situation für eine Großthese über die polnische Gesellschaft zu instrumentalisieren, erzählt „Kommunion“ mit viel Aufmerksamkeit und Fürsorge ein stilles Sozialdrama. Nun liegt es an Ola, ihrem Bruder zu helfen: Sie paukt mit ihm die Zehn Gebote, die Kommunion proben sie mit Kartoffelscheiben. Für Ola hat die Kommunion noch eine persönliche Dimension.
Source: Der Tagesspiegel May 05, 2017 15:40 UTC