Arnfrid Astel ist ein Außenseiter unter Deutschlands Dichtern, obwohl oder weil er als Herausgeber der „Lyrischen Hefte“ und Redakteur des Saarländischen Rundfunks anderen Poeten ein Forum bot, zugleich aber sich und sein Werk der Öffentlichkeit entzog. Manleys schwer übersetzbare, äußerst vertrackte Gedichte hat Arnfrid Astel ins Deutsche übertragen und kenntnisreich kommentiert. Beide Autoren sind durch Welten und Zeiten voneinander getrennt, doch die Wanderung durch die Felder ist mehr als nur ein Vorwand zur Beschwörung literarischer Vorbilder. Die heitere Unbeschwertheit von Astels Gedicht täuscht, denn ähnlich wie bei Hölderlin ist die sommerliche Idylle von Schatten bedroht, die ebenso auf den Winter vorausweisen wie auf den Hades, in dem die Seelen Verstorbener ihr Schattendasein fristen. Tragik, Komik und existentieller Ernst schließen einander nicht aus, es sind Aspekte ein- und desselben poetischen Texts.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung May 06, 2017 05:37 UTC