Großbritannien, so versprach es Premierminister Boris Johnson seinen Landsleuten, werde nach dem Brexit zu einem „Global Britain“ aufsteigen und fortan aus eigener Kraft die Weltpolitik entscheidend mitgestalten. Der Abzug der USA aus Afghanistan hat aber gezeigt, dass Großbritannien nicht in der Lage ist, auf eigene Faust Außen- und Sicherheitspolitik zu betreiben. Die Briten waren seinerzeit gemeinsam mit den USA in Afghanistan eingerückt, und gemeinsam mit den Amerikanern mussten sie auch wieder abziehen. Im vergangenen Juni jubelte Johnson beim G-7-Gipfel in Cornwall noch darüber, dass die USA und Großbritannien in vielen Bereichen eine gemeinsame Agenda hätten. Wenn sie den europäischen Pfeiler innerhalb der Nato wirklich wirkungsvoll stärken wollen, können die EU-Staaten dabei nicht auf Großbritannien verzichten.
Source: Der Tagesspiegel September 13, 2021 07:52 UTC