Die Mönche des „Heiligen Konvents“ der Franziskaner in Assisi pflegen gemeinhin nicht, von ihrem Hügel in die Niederungen der italienischen Steuerpolitik hinabzusteigen. Ebenso wenig wird man ihr Publikationsorgan „San Francesco“ als ein politisches Leitmedium des Landes bezeichnen können. Dennoch scheint das Kloster im Geburtsort des heiligen Franziskus, einer der meistbesuchten Pilgerstätten des Landes, etwas erreicht zu haben, was die Opposition im Parlament vergeblich versucht hatte: Eine Änderung am überarbeiteten Entwurf des Haushaltsplans für 2019, der am Freitag in der Abgeordnetenkammer in Rom beraten werden sollte und an diesem Samstag gebilligt werden soll. Um ein Verfahren der EU-Kommission gegen Italien abzuwenden, hatte sich die Regierungskoalition in Rom auf die Suche nach zusätzlichen Einnahmequellen gemacht, die das Haushaltsdefizit verringern. Hierbei war sie auf den reduzierten Körperschaftsteuersatz für nicht gewinnorientierte Einrichtungen gestoßen, die bislang nur 12 statt der regulären 24 Prozent ihres Nettogesamteinkommens an den Staat abführen müssen.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung December 29, 2018 11:43 UTC