Nun machen sie sich Sorgen angesichts eines Landes, das mit sich selbst beschäftigt ist. Was das Scheitern der Jamaika-Sondierungen bedeute, hat die Bundeskanzlerin noch in der Nacht so beschrieben: Es sei ein Tag mindestens des tieferen Nachdenkens, wie es jetzt weitergehe. Die Sorge, Deutschland könne in eine Phase der Instabilität abgleiten, mag übertrieben sein und die demokratiepolitische Belastbarkeit unterschätzen – vorhanden ist sie. Ironie der Geschichte: Auf dem Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise hatte sich die Bundesregierung böse Kommentare anzuhören, von wegen Diktat und Hegemon; Vergleiche mit der Nazi-Vergangenheit wurden gezogen. Aber letztlich ist es nicht die Stärke Deutschlands, die seine Nachbarn und Partner heute um den Schlaf bringt, es sind seine (vermeintliche) Schwäche und Unberechenbarkeit, welche irritieren.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung November 20, 2017 16:36 UTC