Muslimische Menschen und Institutionen stehen immer stärker unter Rechtfertigungsdruck; selbst gegen den Liberal-Islamischen Bund, der unter anderem interreligiöse Gottesdienste, weibliche Vorbeterinnen und die Mitgliedschaft von Homosexuellen unterstützt, mehren sich die Vorwürfe, dies sei alles nur Fassade, da der Koran dies in Wirklichkeit gar nicht erlaube. Sollte man gerade jetzt nicht darauf achten, die gängige terminologische Gegenüberstellung von „Muslimen“ und „Deutschen“ zu unterlassen, als ob sich dies gegenseitig ausschließe? Wissenschaftlerinnen wurden nicht gefragtDer Schaden, den solch eine Berichterstattung gerade für die offenen, an Dialog interessierten Moscheegemeinden anrichtet, ist immens. 14 (S. 54), über Monate hätten „Islamwissenschaftliche Fakultäten“ (die es in Deutschland gar nicht gibt) und „Islamwissenschaftler, die sonst bereitwillig Auskunft geben“, seine Anfragen unbeantwortet gelassen. Ich selber und viele mir bekannte Kolleginnen und Kollegen, die über die Webseiten ihrer Institute sehr leicht auffindbar sind, hätten Herrn Schreiber gern für Interviews zur Verfügung gestanden.
Source: Der Tagesspiegel April 01, 2017 12:33 UTC