Letzteres geht derzeit gar nicht, ist aber schon seit der Uraufführung von Strawinskys "Le sacre du printemps" eher selten geworden. Die Regel ist stattdessen das gepflegte Buh, um seine ebenso respektvolle wie abgrundtiefe Verachtung für "das Regietheater" kundzutun. Wenn das stimmt, sind die durch die Corona-Krise jäh arbeitslos gewordenen Schauspieler, Sänger, Musiker und Tänzer nun am Verhungern. Es ist dies ein zutiefst analoger Vorgang, in dem am Ende immer auch das Gemeinschaftserlebnis selbst, ein "Wir" gefeiert wird. Im Theater wie in der Oper oder im Vortragssaal ist der Lacher eines Einzelnen eine Großmacht, wenn er zur Unzeit erfolgt.
Source: Suddeutsche Zeitung April 04, 2020 06:22 UTC