"Die Brüste des Tiresias" in der ReaktorhalleVon Klaus KalchschmidFrancis Poulencs Kurzoper "Die Brüste des Tiresias" war 1947 bei der Pariser Uraufführung Flop und Skandal zugleich. Denn zuvor hatten die Frauen das Kinderkriegen verweigert, mit den Männern Geschlecht und Gebärfähigkeit vertauscht und ihre Brüste als Luftballons ins Publikum geschossen. Balázs Kovalik ließ seine temporeiche Inszenierung in der Reaktorhalle mit mönchischem Klagegesang an einem Sarg beginnen, bevor unter den Kutten eine bunt gewürfelte Zirkustruppe zu prallem Leben erwachte. Auch später wurde in der launigen Offenbachiade, wo jeder Konflikt gleich in Gelächter mündet und kein Schuss tötet, Walzer oder Paso doble getanzt, gesungen und mit Lust geschauspielert. Weil das Original kaum eine Stunde dauert, gab es jede Menge Einlagen.
Source: Suddeutsche Zeitung July 02, 2019 16:58 UTC