Räumlich-zeitlich begrenzte und rechtlich regulierte Kriege können sich offenbar mit der Vorstellung vom langen Frieden verbinden. Das ist anders, sobald Kriege lange dauern, nicht lokalisiert werden können und auch nicht nach den Direktiven einer Niederwerfungsstrategie zu führen sind, sondern zum Erschöpfungskrieg werden. Aber warum greift dann nicht jene Kalkülrationalität, die dem früheren Kriegsbegrenzungsregime zugrunde lag und zumeist dafür sorgte, dass Kriege beendet wurden, wenn der nachvollziehbare Nutzen den prospektiven Schaden überstieg? Die erlittene Gewalt muss noch zurückgezahlt, die zugefügte Demütigung gerächt werden, bevor man mit den Verhandlungen über das Ende der Gewalt beginnen kann. Das ist der fünfte Grund, warum die gegenwärtigen Kriege nicht von selbst enden und sich kaum beenden lassen.
Source: Der Tagesspiegel February 16, 2019 06:11 UTC