Die Tragweite dieses Satzes wird erst deutlich, wenn man weiß, dass Merkel ihn aussprach unmittelbar, nachdem Emmanuel Macron gesagt hatte, die Verantwortung Frankreichs und Deutschlands für die nächsten Jahre sei „ein wirklicher Akt der Neugründung Europas und der Eurozone“. Mehr Schutz für Europas BürgerBeide – Merkel und Macron – machten kein Geheimnis aus den Gründen für die veränderte Tonlage. Rückblickend bedeutet Merkels Hinweis aber auch: Der erfreuliche Ausgang der Wahlen und der antipopulistische Stimmungwandel in Deutschland haben auch die Sicht der Kanzlerin auf die Dinge verändert und ihre Bereitschaft gestärkt, die mittelfristige institutionelle Vertiefung insbesondere der Eurozone anzugehen. Mehr zum ThemaKonkret unterschieden Merkel und Macron zwischen kurzfristigen Projekten – dem europäischen Asylsystem, der Entsenderichtlinie und Fragen der Reziprozität in den Handelsbeziehungen (also dem Schutz vor Dumping-Löhnen in Drittstaaten) – von jenen mittelfristigen Fragen der institutionellen Vertiefung, die Berlin und Paris nun in einem Fahrplan festlegen wollen. Merkel deutete die Stoßrichtung an: Wie könne man die EU – „und da vorrangig die Eurozone“ – vertiefen, krisenfester machen und die Kohärenz innerhalb der Eurozone fördern.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung May 16, 2017 16:29 UTC