Herr Nagaya macht, was er will. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wäre Herr Nagaya nicht ein japanischer Koch und deswegen quasi qua Amt dazu verpflichtet, in einer Art immerwährender Verbeugung die heiligen Traditionen von Nippons Küche zu ehren und zu pflegen. Er hüllt einen Taler von der Gänsestopfleber in einen reispapierfeinen Krokant aus Roter Bete, bestäubt ihn mit Haselnusspulver und beweist so mit leichter Hand, wie fabelhaft Süße und Schwere von Leber und Gemüse miteinander harmonieren. Wenn man Yoshizumi Nagaya bittet, seinen eigenen Stil zu beschreiben, bekommt man ein freundliches Lächeln und die entwaffnende Antwort, dass er weder avantgardistisch japanisch noch eine fernöstlich-abendländische Fusion, sondern ganz einfach Nagaya-Küche koche. Seit sieben Jahren residiert es in einer ruhigen Straße im Herzen der Stadt, verzichtet fast vollständig auf folkloristischen Nippon-Krimskrams, dekoriert die Wände lieber mit deutscher Gegenwartskunst als mit Fujiyama-Kalligraphien und serviert ohnehin nur das, was Herrn Nagaya in den Sinn kommt.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung September 29, 2017 09:33 UTC