Auf seinem Weg ins gelobte Land hat er vier Lebensjahre und sieben Grenzen hinter sich gelassen, er hat die Sahara bezwungen, hat es im Schlauchboot übers Mittelmeer geschafft. Aber dann steht Foday Sankoh an einem Dienstagmorgen im März viel zu spät auf dem Bahnsteig im Münchner Hauptbahnhof. Er ahnt, dass jetzt womöglich alles umsonst war, denn er wird zu spät zu seinem Termin in der Flüchtlingsbehörde kommen, die jeder nur BAMF nennt, Außenstelle Berg am Laim. Wie ein blinder Zugvogel, der zielsicher Tausende Meilen fliegt, um ganz am Ende sein Nest um wenige Zentimeter zu verfehlen. Es ist Sankohs wichtigster Termin in all den Jahren seiner Wanderung: die Anhörung als Asylantragssteller in der Bundesrepublik Deutschland.
Source: Die Welt April 26, 2020 03:00 UTC