"Wir", das sind all jene, die online über Politik, den Zustand der Welt, die Gesellschaft und ihre Werte diskutieren oder es zumindest versuchen. Die Schand- und Schammechanismen des Boulevards sind demokratisiert worden - genutzt von Menschen, die eigentlich über wichtige gesellschaftliche Themen reden wollten. AnzeigeIrrational, das sind die anderenDas ist inzwischen außerhalb der eigenen Meinungsgruppe kaum mehr möglich. Wer Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen anmahnt, ist in nationalistischen Kreisen schnell als "Gutmensch" identifiziert - und der ist aus dieser Sicht entgegen des Namens nicht gut, sondern bestenfalls naiv, schlimmstenfalls in voller Absicht unverantwortlich. Online neigen wir im Falle von Andersdenkenden allerdings allzu oft dazu, die schlimmsten Absichten zu vermuten.
Source: Suddeutsche Zeitung July 06, 2017 10:07 UTC