Der Soziologe Dieter Rucht hält die Protestbewegung der Gelbwesten in Frankreich für spezifisch französisch; sie werde "kaum in anderen Ländern Fuß fassen". "Spezifisch national" sei zum Beispiel die soziale und ökonomische Situation derer, die sie tragen und die vor allem außerhalb der großen Ballungszentren leben, schreibt Rucht in seiner neuen Studie "Die Gelbwestenbewegung - Stand und Perspektiven", die dem Tagesspiegel vorliegt. Zudem werde das Leben im ländlichen Frankreich immer schwieriger, weil Frankreich, das fast doppelt so groß wie Deutschland sei, aber nicht einmal halb so dicht besiedelt, die Infrastruktur auf dem Land abbaue oder verfallen lasse. Eine weitere Rolle spiele der französische Zentralismus, gegen den die Gelbwesten eine Verteilung der Macht von oben nach unten fordern. November gingen 282.000 Französinnen und Franzosen in den neongelben Warnwesten auf die Straße, die in Frankreich in jedem Auto vorgeschrieben sind.
Source: Der Tagesspiegel February 19, 2019 05:48 UTC