Den alltäglichen Rassismus habe man entfernt, mehr von Mitchells Buch zu verlangen, hieße, etwas retrospektiv hinein zu "visionieren", was nie ihr Thema war, und das sei "historischer Blödsinn". Denn es ist ja nicht so, als sei die Sklaverei nicht ihr Thema gewesen, wie frühere Verteidiger ihr zugutehielten. Während der geschlagene Süden die Rassentrennung gerade gesetzlich verankerte, nahm Mitchells Buch den Weißen alle Schuldgefühle. Schwarze Intellektuelle wie Hilton Als lesen Mitchells Buch längst als Quelle, um zu begreifen, wie "rassistische Fantasien" entstehen. "Vom Wind verweht" demonstriert wunderbar die unterschiedlichen Geschwindigkeiten sozialen Fortschritts, ist modern in der Frauenfrage und archaisch im Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß.
Source: Suddeutsche Zeitung January 02, 2020 10:31 UTC