Ein Jubiläumsjahr neigt sich dem Ende zu und erhält als Finale den großen Tusch: Leonardo da Vinci wird gefeiert, am 2. Überall dort, wo ein Hauptwerk hingehört, um eine Werkphase, einen künstlerischen Quantensprung Leonardos zu dokumentierend, hängt nun eine Infrarot-Reflektografie. Der Louvre heizt ihn weiter an, indem er die Pariser Schau als Sensation bewirbt: So viele Leonardos auf einmal gibt es nie mehr zu sehen. Beim Leihgaben-Geschacher ging es hier weniger um die pekuniäre Seite und die Fragwürdigkeiten eines überhitzten Kunstmarktes als um nationales Prestige. Ein Werk von Leonardo aber macht nicht groß und größer, das lehrt die Pariser Ausstellung, sondern demütig vor der Schönheit eines Madonnenbildnisses oder nur der Zeichnung eines Strudels.
Source: Der Tagesspiegel October 24, 2019 10:52 UTC