Sea-Watch hat die EU-Pläne für einen Verhaltenskodex für die Rettung von Bootsflüchtlingen vor der Küste Libyens scharf kritisiert. »Wenn wir gezwungen werden, gerettete Flüchtlinge selbst in Häfen in Italien zu bringen, werden die Einsatzkräfte zur Seenotrettung reduziert«, erklärte der Sprecher der deutschen Hilfsorganisation, Ruben Neugebauer. »Das bedeutet mehr tote Flüchtlinge.« Neugebauer warf der EU eine »Abschottungsstrategie« vor, »die bewusst Tote in Kauf nimmt«. Die italienische Regierung will beim Treffen der EU-Innenminister am Donnerstag in Estlands Hauptstadt Tallinn einen Verhaltenskodex für Hilfsorganisationen vorschlagen, die mit eigenen Booten Flüchtlinge vor Libyen retten. Sie müssen diese stattdessen selbst in einen »sicheren Hafen« bringen, was entsprechend Zeit in Anspruch nimmt und die Zahl möglicher Rettungseinsätze verringert.
Source: Neues Deutschland July 06, 2017 05:48 UTC