Es wäre der radikalste Akt einer „Desintegration“, wie sie sich der Berliner Dichter Max Czollek als Ausweis postmigrantischen Selbstbewusstseins jüngst in einem ganzen Buch erhoffte. Ja wäre es im Gefolge der RTL-Soap „Frauentausch“ nicht überhaupt lehrreich, einen globalen Ringtausch der Sprachen zu organisieren? Terézia Mora und Ilija Trojanow führen ein anregendes Gespräch „über Mehrsprachigkeit im Dienst des literarischen Schreibens“, in diesem Fall den Einfluss des Ungarischen und des Bulgarischen. Uljana Wolf berichtet von den hybriden Sprachverschlingungen der koreanisch-amerikanischen Dichterin Don Mee Choi, und was es heißt, diese im Deutschen nachzubilden. Der vergnüglichste und umfangreichste, von Terézia Mora erstmals ins Deutsche übersetzte Text ist allerdings Dezsö Kosztolányis offener Brief an den französischen Sprachwissenschaftler Antoine Meillet, einen reichlich bornierten Verächter des Deutschen.
Source: Der Tagesspiegel November 06, 2020 13:07 UTC