Frank-Walter Steinmeier hält nicht nur ganze Reden in fremden Sprachen, er hat sich auch ein kleines soziales Netz erfunden. „Kaffeetafel“ haben sie das Format im Schloss Bellevue selbstironisch getauft, und so altmodisch wie das Wort erscheint zunächst die Versuchsanordnung. Aber weil ein Bundespräsident mehr symbolische Macht hat als üblicherweise die Großtante, sind Steinmeiers Familienzusammenführungen eher Versammlungen ganzer Stadtgesellschaften. Das Klima in der Stadt macht das Leben für die etwa 4000 Menschen aus Syrien zu einem gemischten Vergnügen. Sie führt alteingesessene „Gersche“, viele skeptisch, zu ihren neuen Mitbürgerinnen und -bürgern, in die Moschee oder in syrische Lebensmittelläden.
Source: Der Tagesspiegel February 04, 2020 08:53 UTC