Mit "Elektra" am Residenztheater in München stößt das von vielen Tonnen Stahl getragene Überwältigungskonzept von Regiestar Ulrich Rasche an seine Grenzen. Sogar das Programmheft der zweiten Münchner Inszenierung von Ulrich Rasche ziert eine Explosionsdarstellung seines turmartigen Bühnenkolosses, auf der die Räder, Gestänge und Käfigteile schwerelos auseinanderdriften. Der schwer angesagte Regisseur und Bühnenbildner Rasche polarisiert mit seinen Überwältigungswelten fürs Theater. Vater opfert Tochter, Mutter tötet Vater, Sohn tötet Mutter: "Elektra" ist eine jener bluttriefenden altgriechischen Rachemythen, die mal wieder klarmachen, woher Fantasy-Serien wie "Game of Thrones" ihre Inspiration ziehen. Rasche schließt sich dieser Deutung an, indem er alle Figuren, auch Orest (Thomas Lettow) in Elektras Chor gewordenem Gedankenstrom mitlaufen lässt.
Source: Suddeutsche Zeitung February 17, 2019 17:25 UTC