Ganz egal, wie offensichtlich die Tatsachen sich aufdrängen: Mit letzter Kraft klammert sich der Handelsvertreter an seine Lebenslüge. Seine Arthur-Miller-Inszenierung „Tod eines Handlungsreisenden“ im Deutschen Theater Berlin ist seit jeher von jener Art zeitloser Aktualitätsbehauptung, die sich mehr für die schiere Schauspiel(er)kraft interessiert als für Textakzentuierungen und ultimative Konzeptionsschärfe. Die Geschäfte gehen schlecht, und selbst die Möglichkeit, seine Erfolglosigkeit mit den Superkarrieren des Nachwuchses zu kompensieren, bleibt ihm versagt. Er stellt die finale Beerdigung Willys, der sich letztlich umbringt, damit seine Familie wenigstens die Lebensversicherung kassieren kann, an den Beginn des Abends. Oder in der Kurzgeschichte, die sich immer wieder in Matthes’ Gesicht abspielt und die mit mühsam zusammengeraffter Resthoffnung beginnt und in einer unvergleichlichen Enttäuschungsentgleisung endet.
Source: Der Tagesspiegel March 19, 2017 15:22 UTC