Es vergeht kaum ein Tag, an dem Spahn oder Seehofer nicht mit kontroversen öffentlichen Äußerungen auffallen, die viele Konservative in der Union jubeln und die Kanzlerin programmatisch noch variabler erscheinen lassen. Der 37-Jährige gilt in der CDU als aussichtsreicher Kandidat für die Merkel-Nachfolge, als konservativer Hoffnungsträger mit großen Ambitionen und noch größerem Ego. Sich der Kanzlerin als Minister unterordnen zu müssen und gleichzeitig das eigene konservative Profil für die Zukunft zu schärfen – für Spahn ist das ein Spagat. Die Opposition und der Koalitionspartner waren empört, die Union aber straffte ihre konservativen Reflexe – und Spahn wurde über Nacht zum bekanntesten Quertreiber der Republik. Doch die Botschaft, die er damit an die Unionsanhänger sandte, war klar: Nicht die Kanzlerin kümmert sich um die konservative Seele, sondern Jens Spahn.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung April 05, 2018 12:00 UTC