Immer wieder legt Yannis Stournaras den Finger in die Wunde und liest der Regierung des Premiers Alexis Tsipras die Leviten, mahnt mehr Strukturreformen und Haushaltsdisziplin an. Tsipras konterte in einem TV-Interview, es sei nicht die Aufgabe des Zentralbankchefs, „halbgare Vorhersagen“ in die Welt zu setzen. Der Linkspopulist Tsipras liegt seit Langem im Clinch mit Stournaras, der unter der konservativ-sozialdemokratischen Koalitionsregierung ab 2012 als Finanzminister amtierte, bevor er 2014 zum Zentralbankchef berufen wurde. Zeitzeugen sagen, Stournaras sei es gewesen, der das Land damit in der Euro-Zone gehalten habe – wovon letztlich auch Tsipras politisch profitierte. Während die Zentralbank ermittelte, veranstaltete die der Regierung unterstellte Finanzpolizei eine Razzia in den Büroräumen von Stournaras‘ Ehefrau, einer Unternehmensberaterin.
Source: Handelsblatt June 23, 2019 12:33 UTC