Den Begriff des Autoritarismus benutzen die Autorinnen nicht wie üblich als Bezeichnung für illiberale Regierungen oder autoritär regierte Länder, sondern für eine Regierungsform, die »Freiheit«, definiert als individuelle »finanzielle Freiheit«, ins Zentrum stellt. Während Milei und Co. einerseits gegen die »integrale sexuelle Erziehung« mobilisieren, fördern sie andererseits die »finanzielle Erziehung« an Schulen – den Unterricht erteilen Dozenten aus dem Finanzsektor. »Finanzielle Erziehung« meint also nicht Aufklärung, sondern Anstiftung von Jugendlichen zur Spekulation. Gemeint sind Kämpfe gegen die Prekarisierung der Arbeit, gegen staatliche wie private Verschuldung, gegen »Extraktivismus«, für das Recht auf Wohnen, Bildung, Gesundheit, auch Kämpfe für freie Zeit. Mag sein, dass das Vokabular der Argentinierinnen gegenwärtig größere Kraft hat als die sozialen Kämpfe, allerdings ist das eine ohne das andere nicht zu haben.
Source: Junge Welt April 10, 2026 17:39 UTC