Herr Weichert, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien am meisten geärgert? Glücklicherweise ärgere ich mich immer weniger, was auch daran liegt, dass ich mich immer weniger mit irrelevanten Branchen-Eilmeldungen beschäftige, die häufig nur aus Kollegen-Bashing, Personality-Kult und aggressivem Vermeldungsjournalismus bestehen. Ein wenig Entschleunigung, Demut und weniger Selbstbeschau würde unserer Branche gerade nach dem Fall Relotius gut zu Gesicht stehen. Davon abgesehen: Leidenschaft für unseren Beruf ist gut, aber andauernder Ärger ist ungesund. Die von Robert Habeck angestoßene Debatte über den Umgang mit Twitter & Co. hat hoffentlich nicht nur Journalisten zum Nachdenken angeregt: Wir müssen als Gesellschaft aufpassen, dass wir nicht den verführerischen Dynamiken und dem Tempo der sozialen Medien zuungunsten der demokratischen Diskursrationalität erliegen.
Source: Der Tagesspiegel January 19, 2019 13:52 UTC