„Sollte etwas mit mir passiert sein, holt Tante Käthe“, hatte die fünfunddreißigjährige Erika Härtling geschrieben, bevor sie sich mit 28 Tabletten vergiftete. Zurück blieben der zwölfjährige Sohn Peter und seine jüngere Schwester Lore. Schließlich, als nach der Übersiedlung ins schwäbische Nürtingen 1946 die Nachricht vom Tod ihres Mannes kam, hatte Erika Härtling keine Kraft mehr. Die Kindheit des bei Kriegsende gerade einmal elfjährigen Peter Härtling war jedenfalls von größter Unruhe gezeichnet, von persönlichen Katastrophen, eingebettet in die Katastrophe Europas, und noch längst nicht zur Ruhe gekommen, als dann endlich die Waffen schwiegen. Es ist kein Zufall, dass Peter Härtlings Weg vom Journalisten zum Schriftsteller auch durch die Beschäftigung mit Künstlerbiographien bestimmt worden ist.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung July 10, 2017 15:56 UTC