Es ist nur so, dass mir keine Kritik des Buches von Ijoma Mangold untergekommen ist, die nicht zu dem Schluss gekommen wäre, dass es sich bei seinem Buch um eines »unserer« besten handele. Die dritte Ebene, auf der mich das Buch gepackt hat, ist dann allerdings eben die des Variantenreichtums solcher kleinbürgerlichen Enge. »Das deutsche Krokodil« ist nicht nur ein Buch ohne Sex – es ist eines, in dem Liebe soweit die Hauptperson involviert ist, überhaupt nur als Kinder-, Eltern- oder Geschwisterliebe vorkommt. Die Fluchten ins Katholisch-Dandyhafte, die Mangold an sich selbst sozusagen als Eigentherapie vollzieht und beschreibt, wirken da dann arg bemüht, aber auch nachvollziehbar. Wenn ich den erfolgreichen Jungautor, der auf Mangold nicht so gut zu sprechen war, wiedersehe, werde ich ihm das mal auf seinen weiteren Lebensweg mitgeben.
Source: Junge Welt October 19, 2017 16:07 UTC