Ein begnadeter Musikvermittler und -verführer: Igor Levit, 2011 im Münchner Prinzregententheater Foto: Michel NeumeisterIn einem Anflug beginnenden Überdrusses am schon jetzt heftig heiß laufenden Beethovenjahr fragte der Kulturpodcast des Deutschlandradios, »Lakonisch elegant«, Anfang Januar kritisch danach, an welche Künstler und Geistesgrößen von heute man sich denn wohl in 250 Jahren noch erinnern würde. Als gewisser Grundkonsens zwischen Gästen und Moderatorinnen schälte sich schnell heraus, dass allein künstlerische oder sonstige Leistung auf dem jeweiligen Gebiet nicht mehr ausreichen dürfte, sondern dass eine Art moralische Integrität oder ein moralisch unverdächtiges politisches Anliegen dazukommen müsse, um des Gedenkens künftiger Generationen würdig zu sein. Das heißt: Peter Handke und Michael Jackson waren raus, genannt wurden stattdessen unter anderem die feministische Popsängerin Beyoncé, die Gendertheoretikerin Judith Butler und der Wohlfahrtsökonom Amartya Sen. So fragwürdig eine solche Moralisierung von Wissenschaft und vor allem Kunst s...
Source: Neues Deutschland January 27, 2020 20:26 UTC