Von Sebastian HerrmannIn den schattigen Ecken des Internets existieren zahlreiche Webseiten, auf denen sich gebundene Menschen zum Sex mit anderen gebundenen Menschen verabreden können. In keinem anderen Monat loggen sich dort so viele Nutzer auf der Suche nach einem Seitensprung ein. Es muss ja nicht gleich der Seitensprung sein, aber man kann ja mal das Angebot scannen und ein bisschen flirten. Wer schenkt, baut gewissermaßen soziales Kapital auf, das er an anderer Stelle für sich selbst wieder ausgibt: Es handelt sich quasi um emotionalen Kapitalismus. Eine Absage-E-Mail an einen Freund fiel zum Beispiel weniger höflich aus, wenn zuvor ein Geschenk im Spiel war.
Source: Suddeutsche Zeitung June 07, 2021 13:52 UTC