Geheimtreffen in einer Aushilfsküche, Kurse im freien Fall, größte Nervosität: Wie Athen die europäische Gemeinschaftswährung rettete und welche Rolle Wolfgang Schäuble dabei spielte, beschreibt der frühere griechische Finanzminister Papakonstantinou in einem beachtenswerten Buch. Es ist Januar 2010, die Finanzwelt ist nervös, der Euro wankt, und die drei vielbeschäftigten Männer wollen sich ausgerechnet auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos treffen, da die Sache eilt und dorthin alle eingeladen sind. „Da trafen wir uns also und standen betreten herum – es gab keine Sitzgelegenheiten –, während die Sicherheitsleute beobachteten, wer durch die Drehtüren ein- und ausging“, schildert Papakonstantinou die Szene. Das Manöver gelang, die Öffentlichkeit erfuhr erst von dem Treffen, als Papakonstantinou Jahre später in seinem Buch „Game Over. Die griechische Überschuldungskrise, die Europa zwischen 2009 und 2015 in Atem hielt (und die keineswegs vorüber ist, auch wenn derzeit kaum jemand darüber spricht), ist bisher von keinem maßgeblichen Akteur so packend und detailliert aufgearbeitet worden wie von Papakonstantinou.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung October 19, 2017 11:30 UTC