Die Präsidentenwahl in Aserbaidschan ist ein Plebiszit, mit dem Staatschef Ilham Alijew seinen Bonus aus dem gewonnenen Krieg gegen Armenien und der Eroberung von Bergkarabach in Stimmen ummünzen will. Deshalb hat Russland seinen traditionellen Bündnispartner Armenien in der Auseinandersetzung mit Aserbaidschan allenfalls verbal unterstützt und faktisch fallengelassen. Der kollektive Westen hat in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls zu allen autoritären Tendenzen und der notorischen Korruption des aserbaidschanischen Staatssystems gute Miene gemacht. Er behandelt Aserbaidschan als das, was es ist: ein weiteres Ölscheichtum, dem man rechtsstaatliche Defizite ebenso nachsieht wie den anderen Staaten dieser Kategorie. Aserbaidschan ist nicht minder »autokratisch« organisiert als Russland, hat aber aus westlicher Sicht den großen Vorteil, nicht Russland zu sein.
Source: Junge Welt February 07, 2024 19:22 UTC