Es geht darin um eine Ich-Erzählerin, die zwar Philosophie studiert hat, heute aber trotzdem nur geringfügige Jobs bekommt und deshalb in einer kleinen Sozialwohnung lebt. Gleich zwei Autoren legten Texte vor, die sich vorgenommen hatten, real existierende Barbarei in die Literatur zu überführen. Und beide Texte spalteten auf symptomatische Weise die anwesende Kritik. Genauso war der Spiegel-Redakteur Takis Würger in seinem Roman "Stella" vorgegangen, der von der Kritik Anfang des Jahres einigermaßen entgeistert aufgenommen wurde, sich im Buchhandel aber wacker behauptete. Und ob sich in dieser künstlerischen Entscheidung nicht ein ganz besonderer Zynismus verbirgt, den zu entblößen, statt zu internalisieren und zu perpetuieren, eigentlich die Aufgabe der Literatur wäre.
Source: Suddeutsche Zeitung June 30, 2019 14:48 UTC