In der einen oder anderen Form können die Berichte, die Hans-Georg Maaßen abzugeben hat, nichts anderes sein als schön verpackte Rückzugsgefechte. Über „Hetzjagden“ in Chemnitz lässt sich lange streiten – sicher ist, dass es dort ausländerfeindliche Angriffe in großer Zahl gegeben hat. Sollte sich herausstellen, dass ein Video, das diese Theorie belegen soll, aus zweifelhafter Quelle stammt, mag das Sache des Verfassungsschutzes sein. Weder relativiert sich damit aber der Charakter der menschenverachtenden Stimmung, die in Chemnitz verbreitet wurde, noch berechtigt es den höchsten Verfassungsschützer, politisch brisante Schlussfolgerungen zu ziehen: dass ein Video verbreitet worden sein könnte, um von einem „Mord“ abzulenken. Wer sich, wie Seehofer und Maaßen, in dieser Situation auch noch Rückzugsgefechte leisten muss, macht nicht gerade eine glaubwürdige Figur als Ritter der wehrhaften Demokratie.
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung September 10, 2018 18:22 UTC