Neulich schlug ich „Metrofolklore“ auf, ein Romandebüt, das eine moderne lesbische Liebesgeschichte erzählt, die keine Liebesgeschichte ist: Es geht um Nichterfüllung, Sehnen, Werben. Eine selbstdestruktive Archäologiestudentin verliebt sich in eine unerreichbare, da heterosexuelle, makellos schöne Kommilitonin, die von ihrem bewundernden Starren genervt ist. Sich wollen, sich nicht kriegen: Früher gab es das noch. Doch anders als damals scheint die Liebe heute alles andere als verknappt zu sein. Aus Liebe zu einem Einzigen sterben zu wollen – vielleicht braucht es den Anachronismus Minne, das absolut Unmögliche als absoluten Antipol zur Übermöglichkeit des Onlinedatings.
Source: Die Welt December 20, 2017 08:15 UTC