Doch einen solchen Vorschlag ausgerechnet ein halbes Jahr vor einer Bundestagswahl vorzubringen, zu dessen Ergebnissen der Einzug der „Alternative für Deutschland“ (AfD) ins Parlament zählen dürfte, trägt den Beigeschmack der Trickserei. Ginge es nach der bisherigen Tradition, könnte entweder der niedersächsische AfD-Politiker Wilhelm von Gottberg, der in wenigen Tagen 77 Jahre alt wird, oder der dann 76-jährige AfD-Vize Alexander Gauland Alterspräsident des Bundestages werden. Im Jahr 1994 hatte der Schriftsteller Stefan Heym, der als parteiloser Kandidat auf der offenen Liste der PDS kandidiert hatte, ein Direktmandat gewonnen. Die Abgeordneten der Unionsfraktion – mit Ausnahme von Rita Süssmuth – verweigerten ihm demonstrativ den Applaus, und seine Rede wurde nicht im Bulletin der Bundesregierung veröffentlicht. Bei aller Unvergleichbarkeit: Der deutsche Parlamentarismus ist stark genug, um auch einen Alterspräsidenten der AfD zu ertragen.
Source: Der Tagesspiegel March 24, 2017 11:56 UTC