Dafür ist Mbembe nicht verantwortlich, sondern die Veranstalter, die wohlwissend wohl eine jüdische Wunde in Deutschland öffnen wollten. Achille Mbembe sei Antisemit und soll daher in Deutschland keine öffentliche Bühne bekommen, war der Tenor der Gegner Mbembes. Deshalb argwöhnt eine Seite der Debatte, der Antisemitismusvorwurf diene nur dem Interesse Israels, legitime Kritik zum Schweigen zu bringen. Das ist auch der Grund, warum neue Disziplinen wie Diaspora Studien, Postkoloniale Studien, Ethnische Studien sich häufig gegen und in Konkurrenz gegen Jüdischen Studien definieren, ja definieren müssen. Die entscheidenden Fragen sind doch: Warum soll Achille Mbembe, einer der wichtigsten afrikanischen Intellektuellen, zum Brennpunkt der deutschen Befindlichkeiten im Hinblick auf Israel und den Antisemitismus dienen?
Source: Der Tagesspiegel May 17, 2020 06:11 UTC