Das war ein revolutionärer Entwurf damals, weil er die Kunst in ein eigenes Recht einsetzte und aus der Fron zumal nationaler Dienstleistung zu befreien suchte. Der Kreis um die von ihm gegründete Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg hat, zunächst in Hamburg, später im Londoner Exil, diese große Erzählung fortgeschrieben. Im Gegenteil: Die aktuellen Debatten um Raubkunst und Restitution lehren, dass die Kunstgeschichte, je „globaler“ sie sich geriert, um so nationaler denkt. Kaum eines, das seine Bestände nicht nach „Schulen“ hängen würde, und Schulen meint da jeweils Nationen. Denn wie französisch wäre denn, beispielsweise, ein Nicolas Poussin, der den Großteil seines Lebens in Rom zugebracht hat, in seinem Pinselduktus?
Source: Frankfurter Allgemeine Zeitung February 19, 2019 19:18 UTC